Forschung

Unternehmensbesteuerung und Globalisierung

Grenzüberschreitende Einkunftserzielung von Unternehmen ist ein zentrales Element der Globalisierung. Damit verbinden sich verschiedene steuerliche Problembereiche. So kann es etwa zu Verletzungen grundlegender Prinzipien wie der Neutralität der Besteuerung oder der Gerechtigkeit kommen, die in einer geschlossenen Volkswirtschaft so nicht auftreten würden. Die geltenden Regeln des internationalen Steuerrechts halten mit der Entwicklung der grenzüberschreitenden Einkommenserzielung längst noch nicht Schritt. Es ist deshalb zu überprüfen, wie sich die internationale Unternehmensbesteuerung weiter entwickeln sollte. Zum Forschungsschwerpunkt „Unternehmensbesteuerung und Globalisierung“ rechnen beispielsweise:

  • Ansatzpunkte für die internationale Steuerplanung, die sich aus den national ausgerichteten Steuersystemen ergeben, wie Funktionsverlagerung, Einsatz von Holdinggesellschaften, Arbeitnehmerentsendung, virtuelle Unternehmen, grenzüberschreitende Erbfälle
  • steuerliche Hemmnisse, die sich aus den national ausgerichteten Steuersystemen ergeben, wie Begrenzung der Organschaft auf Inlandskonzerne, Umstrukturierungen mit Auslandsbezug, grenzüberschreitende Verschmelzungen, Verrechnungspreise
  • Harmonisierung innerhalb der EU, wie Auswirkungen der Grundfreiheiten des Europäischen Binnenmarkts und der sich daran anschließenden Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs, Auswirkung der Internationalisierung der handelsrechtlichen Rechnungslegung auf die steuerliche Gewinnermittlung, Vorschlag der EU-Kommission zur Schaffung einer konsolidierten Bemessungsgrundlage der Körperschaftsteuer und deren Auswirkungen auf Unternehmen und das nationale Steueraufkommen

Steuerkompetenzen in der Europäischen Union

Steuerkompetenzen, namentlich die Steuergesetzgebungshoheit, die Steuerertragshoheit und die Steuerverwaltungshoheit, sind in Deutschland und den meisten anderen europäischen Ländern nicht allein auf einer staatlichen Ebene angesiedelt, sondern verteilen sich auf vor-, neben- und nachgelagerte föderale Ebenen. Daneben spielt die Europäische Union als weitere (quasi-) staatliche Ebene zunehmend eine eigenständige steuerrechtliche und steuerpolitische Rolle. Der Forschungsschwerpunkt Steuern und Föderalismus befasst sich mit der Frage, wie Steuerkompetenzen in föderal gegliederten staatlichen Organisationen verteilt werden, welche Harmonisierungsnotwendigkeiten und Wettbewerbsregeln sich mit verschiedenen steuerlichen Governancestrukturen verbinden und welche Konsequenzen hinsichtlich des steuerlichen Regelwerks entstehen. Problemkreise dieses Forschungsschwerpunktes umfassen unter anderem:

  • Wechselspiel zwischen Wettbewerb, Koordinierung, Harmonisierung und Zentralisierung der Besteuerung in Europa
  • Verteilung der Steuergesetzgebungshoheit, -ertragshoheit und -verwaltungshoheit auf die Europäische Union, ihre Mitgliedsstaaten und deren nachgelagerte staatliche Ebenen
  • Vereinbarkeit des nationalen Steuerrechts mit EU-Recht
  • Finanzierung lokaler öffentlicher Güter (Rolle der Gemeindefinanzierung) in der Europäischen Union

Die Realisierung des einheitlichen Binnenmarktes in der Europäischen Union hat auch nachhaltige Konsequenzen für die Umsatzsteuer und die speziellen Verbrauchsteuern. Dabei geht es sowohl um Fragen der steuerlichen Effizienz als auch der Verteilung der Steuererträge. Welchem Kriterium – Produktions- oder Konsumeffizienz – soll die europäische Steuerpolitik in Zukunft größeres Gewicht geben? Welche Ausgleichsregelungen hinsichtlich der Verteilung der Steuererträge sollen gelten, wenn Verbrauchsteuern konsequent nach dem Bestimmungslandprinzip oder alternativ nach dem Ursprungslandprinzip besteuert werden? Zwar sind in der Europäischen Union bereits sehr intensive Harmonisierungsanstrengungen insbesondere hinsichtlich der Umsatzsteuer unternommen worden. Das bestehende System der Umsatz- und Verbrauchsbesteuerung ist aber in seiner Anwendung nicht nur äußerst kompliziert. Es bleibt auch noch zu klären, inwieweit sich die Harmonisierung nur auf die Bemessungsgrundlagen oder auch auf die Sätze der Umsatz- und Verbrauchsteuern erstrecken soll:

  • Harmonisierung der Umsatzsteuer
  • Harmonisierung der speziellen Verbrauchsteuern
  • Einführung einer Europäischen CO2-Steuer

Steuern und Systeme der sozialen Sicherung in der Europäischen Union

Traditionell werden sowohl in der steuerpolitischen Praxis als auch in der Wissenschaft Steuern und die daran gekoppelten Einnahmen weitgehend isoliert von Einnahme-Ausgabe-Programmen der sozialen Sicherung betrachtet. So sind etwa in vielen europäischen Ländern die Leistungen der sozialen Sicherungssysteme beitragsfinanziert oder werden unentgeltlich bereitgestellt und die Verzahnung mit dem Steuerbereich ist lose und erscheint unsystematisch. Ökonomisch stehen der Steuerbereich und die sozialen Sicherungssysteme jedoch in enger Wechselbeziehung. Der Forschungsschwerpunkt „Steuern und Systeme der sozialen Sicherung in der Europäischen Union“ untersucht diese Wechselbeziehungen in systematischer Weise und entwickelt Regeln, nach denen die genannten Bereiche integriert werden könnten. Grundlegende Fragen dieses Forschungsschwerpunktes sind:

  • Beitrags- versus Steuerfinanzierung der gesetzlichen Alterssicherung
  • (nachgelagerte) Besteuerung von Alterseinkünften
  • Gestaltungsformen zur Finanzierung des Gesundheitswesens
  • Verhältnis von Steuern und Sozialabgaben (z.B. Einfluss auf betriebliche Entscheidungen, Vermögensverteilung)

Steuern und Demographie

In allen Ländern der Europäischen Union einschließlich der mittel- und osteuropäischen Beitrittsländer vollzieht sich gegenwärtig ein tief greifender demographischer Wandel. Mit dem demographischen Wandel verbinden sich fundamentale Veränderungen hinsichtlich der allokativen und distributiven Effekte der Besteuerung. Ferner wird der demographische Wandel polit-ökonomische Effekte im Steuerbereich auslösen. Diese Effekte haben in den Steuerwissenschaften bisher wenig Beachtung gefunden. Problemkreise des Forschungsschwerpunktes „Steuern und Demographie“ umfassen beispielsweise:

  • Steuerpolitik und Familienlastenausgleich
  • Besteuerung der drei Säulen der Alterssicherung (gesetzlich, betrieblich, privat)
  • Gestaltungsformen zur Finanzierung der Pflegeaufwendungen
  • Bedeutung der Erbschaftsteuer in alternden Gesellschaften
  • steuerliche Behandlung des Generationenwechsels in Familienunternehmen
  • intergenerationelle Verteilungswirkungen verschiedener Besteuerungsformen